Phoenix 17: Atemberaubende Anstiege, tiefe Moore, verlassene Bahnhöfe. verwunschener Urwald, mehr geht nicht!
Tag: Sonntag,
16.10 2011
Weg: Michendorf – Wilhelmshorst –
Bergholz – Teufelssee- Ravensberge – Potsdam
Hinfahrt:
RE 7 Richtung Dessau, z.B. 10:49 ab Alexanderplatz, 11:03 ab
Charlottenburg, 11:16 ab Wannsee
Start: Michendorf
Bhf um 11:33 Uhr
Rückfahrt:
mehrmals stündlich ab Potsdam Hbf
Fahrschein: hin und zurück
Berlin ABC
Entfernung, Dauer: 14 km, 5 Stunden Gehzeit.
Kurzstrecke: Es gibt die Möglichkeit, die Strecke um etwa 4 km abzukürzen, indem du mit der gleichen Zugverbindung eine Stunde später fährst, schon in Wilhelmshorst aussteigst und vor dem Bahnhof auf die Langstreckler wartest, die versuchen werden, sich von Michendorf aus zum Treffpunkt durchzuschlagen... Erika hat sich z.B. für diese Variante entschieden!
Die
Tour: Wir
fahren mit dem Regionalexpress Richtung Dessau bis Michendorf. Das
geht sehr flott und unkompliziert. In Michendorf müssen wir ein
kleines Stück an der Straße entlang, dann biegen wir auf einen
Feldweg ab. Wir folgen der sogenannten Umgehungsbahn, die die Strecke
von Dessau mit dem Ring verbindet. Durch Wilhelmshorst geht der Weg
an kleinen Seen entlang, an der beneidenswert schön Villen liegen.
Dann auf Schleichwegen durchs Unterholz nordwärts an einer sumpfigen
Rinne bis zur völlig versteckt abseits liegenden Bahnhofsruine
Bergholz, die einen berührenden Anblick von Vergänglichkeit,
Zerstörung und Verfall, ein bestürzend wirkendes
Nicht-mehr-gebraucht-Werden zeigt. Hier ein Paukenschlag mit
Totenglocke! Das ganze liegt in einem – es sei gewarnt – extrem
mückenreichen Gebiet.
Da wir als gesundheitsbewusste, ein langes
Leben erstrebende Wanderer weder über die Bahnstrecke der
Umgehungsbahn gehen noch eine Eisenbahnbrücke ohne
Sicherheitsbereich nutzen können, müssen wir einen kleinen Umweg
machen und kommen auf den Europawanderweg 10, der hier von Potsdam
nach Saarmund führt. Auf diesem gehen wir leichten Fußes zum
Teufelssee, einem entgegen seinem abschreckenden Namen idyllisch
unterhalb des Großen Ravensberges gelegenen See. Teufelsseen gibt
es, wie ich bemerkt habe, überall in Deutschland. Sie sind alle
klein, rund, meist tief und versteckt im Wald. Sie scheinen sich
nicht so zum Angeln zu eignen und wurden vielleicht aus Wut darüber
von den meist nur nach Nützlichkeit urteilenden Menschen Teufelsseen
genannt. Dieser nun lädt wirklich zum Bleiben und zum Baden ein, er
hat eine Stelle mit herrlichen Seerosen und Rohrkolben und ist warm
und sauber. Ein Paukenschlag mit Harfe!
Vielleicht können wir ja
im Oktober hier offizielles Abbaden veranstalten. Hinter dem See
beginnt der wahrhaft spektakuläre Anstieg zum Großen Ravensberg,
der immerhin 108,2 m hoch ist. Wieder ein Paukenschlag - mit Alphorn!
Auf dem Gipfel liegt die Waldschule, ein Fortbildungsprojekt für
Schüler von den Brandenburger Forsten und anderen
Naturinteressierten betrieben. Hier kann man ein paar Tiere
betrachten und sich über die Umgebung informieren. Die Ausstellung
ist bis 16:30 Uhr geöffnet. Ein gewaltiger Abstieg führt uns zum
Moosfenn, dem größten Hochmoor in der Nähe Potsdams. Mit unseren
eigenen Füßen spüren wir, wie sich ein Moor anfühlt, und wie es
sein könnte, in einem sich unter dem Moos gierig öffnenden Kolk zu
versinken. Dann ein weiterer Aufstieg mit Treppe hinauf auf den
Kleinen Ravensberg. Dieser ist in der Ausdehnung kleiner, dafür
höher, muss sich aber dennoch den Namen gefallen lassen. Oben gibt
es die Ruine eines Aussichtsturmes, unbesteigbar. Ein paar
Durchblicke durch die Bäume lassen eine gewaltige Aussicht ahnen,
man überlasse sich der Fantasie an ähnliche, schon gesehene
Rundumblicke, das muss zum Staunen reichen. Von hier gehen wir auf
allmählich breiter und befestigter werdenden Wegen am
Einstein-Wissenschaftspark (Einsteinturm besteigen?) vorbei nach
Potsdam hinunter. Also, nochmal die Werbetrommel gerührt: diese
Wanderung sucht in Vielfalt und Abwechslung ihresgleichen. Allein die
Anstiege zu den Ravensbergen belohnen die Unbequemlichkeiten des
morgendlichen Aufbruchs und bleiben als etwas besonderes in
Erinnerung, versprochen.
Ich bin den Weg am 12.9. gegangen. Es war
herrliches, warmes, sonniges Wetter und ich konnte im Teufelssee
baden.
Schön wäre eine Nachricht,
ob du mitkommst.
Sonnenuntergang ist übrigens 18:12.
Achtung: Autan, im September waren auf der ganzen Tour sehr viele Mücken! Essen für ein schönes Picknick mitnehmen und ausreichend zu trinken, unterwegs gibt’s nix.
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Walter
Leistikow "Waldlandschaft mit einem märkischen See" |
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